Chronik


Erzählung vom Möslegeist

Vor mehr als 100 Jahren gab es in Buchholz ein Gebiet mit vielen miteinander verbundenen Fischweihern. Durch das viele Wasser war das Gelände sumpfig und moosig, weshalb man das Gewann „Mösle“ nannte.

Der Eigentümer der Fischweiher hatte einen Knecht angestellt, der die Weiher sauber und in Ordnung halten musste. Er hatte dort eine kleine Hütte, in der er übernachten konnte. Wenn er nachts zu seinem Rundgang aufstand, trug er meist nur sein Nachthemd.

Die Frauen, die in der Bazi arbeiteten, mussten am Mösle vorbeigehen, wenn sie zur Arbeit wollten. So kam es öfter vor, dass sie in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden eine Gestalt im Nebel sahen und sich fürchteten.

Mit der Zeit erzählte man sich im Dorf, im Mösle gehe ein Geist um.


Erzählung vom Nebelmann

Die Leute auf dem Lehenhof zu Buchholz, die elf Kinder hatten, waren, trotz ihres Fleißes und ihrer Rechtschaffenheit, so heruntergekommen, dass ihnen Haus und Feld verkauft werden sollte. Am Abend zuvor sah der Bauer gegen neun Uhr noch zum Fenster hinaus und bemerkte einen alten Mann, der auf der Treppe vor der Haustüre saß. Auf die Frage, was er begehre, antwortete derselbe, dass er um ein Nachtlager habe bitten wollen; weil aber die Haustüre schon verschlossen gewesen sei, habe er sich auf die Staffeln niedergesetzt. Der Bauer ließ ihn hineinkommen, ihm Nachtessen und ein Bett bereiten und erzählte ihm, dass er morgen seinen Hof verliere. „Das soll nicht geschehen“, erwiderte der Mann, „und wenn du heute Nacht um elf mit mir auf dem Schwarzeberger Schlosse sein willst, wirst du Geld genug erhalten.“ Auf den Zweifel, welchen der Bauer äußerte, zog der Alte drei Ruthen hervor und sprach Folgendes: „Hiermit schlage ich den Deckel der Geldkiste in der Burg auf; denn ich bin ein Nebelmann. Im Waldkircher Bann sind so viele Schätze vergraben, dass alle dessen Arme dadurch reich werden könnten. Du musst in dem Schlosse hinter sich zur Kiste gehen, daraus nur so viel Geld nehmen, als du in deine Taschen bringst, und in sieben Minuten fertig sein.“ Zur bestimmten Zeit waren sie an der Burg, worein der Alte sich allein begab, dann zurückkam und den Bauer hineinschickte. Derselbe ging rückwärts zur geöffneten Eisenkiste, nahm daraus, ohne sich umzuwenden, so viel Geld, als seine Taschen fassten, und war zur rechten Zeit wieder außen. Da sagte der Nebelmann zu ihm: „Nun hast du Geld genug, um deine Schulden zu bezahlen“, und verschwand mit diesen Worten. Der Bauer brachte das Geld glücklich nach Haus und machte damit sein Gut schuldenfrei, das seitdem der Hof des reichen Bauern genannt wird.

Quelle: Bernhard Baader, Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden. Karlsruhe 1851, Nr. 71